2021 ist fast der gesamte Inhalt dieser Site politisch & gesellschaftlich inkorrekt – aber der Name ist korrekt gegendert 

Prozente als angsteinflößende Argumentation

Eigentlich sollte es jeder aus dem Matheunterricht wissen, dass Prozente ohne ihre Berechnungsgrundlage, sehr gut manipulativ genutzt werden können. Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn man von einer hohen Intensivbetten-Auslastung in Kliniken hört, von Fallsterblichkeitsraten oder was sonst noch so bezugslos durch die Medien getrieben wird.

Ende April 2021 sind die Intensiv-Stationen die Sau, die durchs Dorf getrieben wird, um die Menschen wieder in Angst und Schrecken zu versetzen.

Zwei Dinge vorab: Die Kapazitäten-Probleme der Kliniken, bestehen nicht erst seit gestern, bzw. nicht erst seit Corona.
(Achtung Meinung: Vor diesem Hintergrund fand ich die Aktion den Pflegern zu applaudieren einfach nur peinlich. Klinik- und jegliches Pflegepersonal gebührt ohne jede Einschränkung der aller-, allergrößste Respekt. Auch Ärzten, selbst wenn die dann zumindest noch gut bezahlt werden. Feuerwehr und THW will ich in diesem Zuge auch gleich noch mit einschließen. Diese engagierten Menschen und ihre Leistungen sind unbezahlbar. Trotzdem werden sie teilweise grottenschlecht entlohnt und vor allem überhaupt nicht wirklich wertgeschätzt. Dabei leisten sie von jeher viel und sind für die Gesellschaft wertvoll wie Wasser in der Wüste. Aber jede Grippesaison bringt sie genauso an ihre Grenzen, wie es jede Hitzwelle tut. Und nun? Anfang 2020 wird ihnen zugejubelt, 2021 sind sie genau wieder dort wo sie vorher auch schon waren. Wenig beachtet bis kaum geschätzt. Und ganz besonders hart trifft es die, die ein gewisses Misstrauen gegen eine völlig neue Impftechnik und praktisch unerprobte Impfstoffe hegen. Diese Menschen werden nun beschimpft und teils sogar bedroht. Aber auch die anderen werden von diesen Zuständen hart getroffen werden. Wenn bisher schon Pflegenotstand herrschte, dann wird sich die Situation nicht bessern, wenn man impfskeptisches Personal entlässt, bedroht oder rausmobbt. So wird den Impfbereiten nur noch mehr aufgebürdet.)

Aber nun zum zweiten Punkt. Kliniken müssen wirtschaftlich rentabel arbeiten. Dies bedeutet in Bezug auf die Bettenauslastung, dass eine hohe Belegung allein aus wirtschaftlichen Gründen aktiv angestrebt wird. Das ist nichts Verwerfliches, da die Kosten für Krankenhäuser nunmal immens hoch sind. Soweit ich weiß, fährt ein Klinikum mit einer 75%igen Auslastung im wirtschaftlichen Plus-Minus-Null-Bereich. Das heißt eine Belegung die üppig über der Dreiviertel-Belegung liegt, wird schon allein aus finanzieller Sicherheit angestrebt. 75% können sich öffentliche Krankenhäuser vermutlich leisten. Da aber die meisten Kliniken privat sind oder privatisiert wurden, müssen sie wie jedes andere Unternehmen wirtschaften. Somit versuchen sie selbstverständlich nicht einfach nur ihre Kosten zu decken, sondern Gewinne zu erlangen. Auch das ist nicht generell verwerflich. Jeder Chef will seine Firma finanziell gesichert führen und selbst – für seinen erhöhten Einsatz – noch ein etwas besseres Gehalt haben (dazu wird man Chef).

Somit ist nach recherchierbaren Zahlen eine Krankenhausbelegung von über 80% erst wirtschaftlich. Eventuell ist bei Intensivbetten noch eine höhere Auslastung angestrebt, da der Betrieb dieser Betten teurer ist, als ein normales Klinikbett. Spätestens wenn vom Staat finanzielle Anreize [1] dazu geschaffen werden, wäre es fast als wirtschaftlich unklug zu bezeichnen, dies nicht zu nutzen. Immerhin geht es nicht um vorhandene Betten, sondern um aktive. Somit werden unbenutzte Betten ins Lager gefahren und schon hat man eine höhere Bettenauslastung.

Und je kleiner das Krankenhaus, desto schneller ist diese Intensivbetten-Auslastung zu erreichen. Angenommen ein kleines Provinz-Krankenhaus , dass im Normalbetrieb fünf Intensivbetten für OP- und Notfallpatienten vorhält, hat anfang einer Grippesaison vorsichtshalber auf zehn Betten hochgerüstet und stellt dann fest, dass die aktuelle Saison für Atemwegsinfekte moderat verläuft; dann ist es allein aus Platz- und Personalgründen sinnvoll überzählige Betten wieder in die Notfallreserve zu verschieben. Um es mit einer einfachen Rechnung zu verdeutlichen. Ein Klinikum hat zehn Intensivbetten, von denen fünf belegt sind, dann liegt die Auslastung bei 50%. Werden nun vier der Betten deaktiviert, bleiben sechs Betten übrig, von denen fünf belegt und eins zur Sicherheit frei gehalten ist. Und schon hat das Krankenhaus keine 50%ige Auslastung mehr, sondern die rentable "Über-80%ige". Schiebt man noch eins weg, ist man bei 100%.

Vermutlich ist die Rechnung sogar viel komplizierter, da 80% bei einem großen Haus ein anderes Bettenverhältnis ist, als bei einem kleinen. So ist ja bei dem Beispiel oben deutlich geworden, dass allein aufgrund der Anzahl keine Auslastung von  95% möglich ist. Je weniger Betten desto schneller ist man im Ganz-oder-Gar-nicht-Bereich. Es soll einfach nur deutlich machen, dass bezuglose Prozentzahlen angsteinflößend sein können, ohne dass das die Realität abbildet.

Was auf jeden Fall aber auch gilt: Es sind nicht immer die Betten das Problem, meist ist es das Personal [2]. Da die Versuche, Pflegeberufe (für Personal und Arbeitgeber) attraktiv zu machen, eher halbherzig sind, gibt es seit Jahren Personalmangel. An der Stelle düfte der Hase eher im Pfeffer liegen als beim Material.

(Meine mir bekannten und befreundeten Ärzte mögen mich bitte korrigieren, wenn ich das falsch oder missverständlich dargestellt habe.)

Links:

  1. https://www.welt.de/politik/deutschland/article207311157/Corona-Mit-kuenstlicher-Beatmung-wird-richtig-viel-Geld-gemacht.html
  2. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/Stellungnahmen_WP19/PpUGV/AWMF.pdf